Nachrichten

Workshop zum taktilen Lesen im Rahmen der Veranstaltungsreihe Wissenschaftscafe durchgeführt

15.05.2026

Im Rahmen der vom Büro für Hochschulkommunikation unserer Koordinierungsstelle für Kommunikation organisierten Veranstaltungsreihe „Wissenschaftscafé“ wurde am 14. Mai 2026 im Sitzungsraum der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften ein Workshop zum taktilen Lesen durchgeführt. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts „Taktiler Lesen: Ein experimentelles Architekturbuch für Menschen mit Sehbehinderung“ statt.

Im Rahmen des Workshops, an dem Prof. Dr. Esen Gökçe Özdamar und Gizem Nagehan Aksu vom Fachbereich Architektur der Namık Kemal Universität in Tekirdağ sowie Assoc. Prof. Dr. Başak Kaptan Şiray vom Fachbereich Kultur- und Kommunikationswissenschaften unserer Universität teilnahmen, wurde das Ziel verfolgt, Architektur und grundlegende Gestaltungsprinzipien mit multisensorischen und taktilen Methoden zu erleben. Die Veranstaltung brachte sehende und sehbehinderte Teilnehmende in einem gemeinsamen Erfahrungs- und Gestaltungsraum zusammen. Dabei wurde die Auffassung thematisiert, dass Raum nicht nur visuell, sondern auch in seinen körperlichen, taktilen und zeitlichen Dimensionen wahrgenommen und erfahren werden kann.

Im Rahmen des Workshops führten die Teilnehmenden praktische Arbeiten mit Ton, Reliefs, einem Braille-Stift sowie verschiedenen Werkzeugen zur dreidimensionalen Gestaltung durch. Mithilfe der angefertigten Prototypen und taktilen Modelle wurden grundlegende räumliche Konzepte wie Maßstab, Leere, Oberfläche und Rhythmus erfahrbar gemacht. Darüber hinaus wurden Übungen zum taktilen Zeichnen sowie zur Anfertigung von Modellen im Kleinmaßstab durchgeführt.

In ihrer Ansprache während der Veranstaltung betonte Assoc. Prof. Dr. Başak Kaptan Şiray, dass Architektur zwar häufig als eine vorwiegend visuelle Disziplin betrachtet wird, die Wahrnehmung und Erfahrung von Raum jedoch nicht allein auf dem Sehsinn beruht. Darüber hinaus hob sie hervor, dass Ansätze, die den Tastsinn und die körperliche Erfahrung in den Mittelpunkt stellen, ein bedeutendes Potenzial bieten, insbesondere um die Art und Weise besser zu verstehen, wie Menschen mit Sehbehinderung Räume wahrnehmen und erleben.

Im Workshop wurde zudem darauf hingewiesen, dass visuell geprägte Ansätze im Studium Architektur und Design kritisch hinterfragt und neu bewertet werden sollten. Darüber hinaus fand ein Austausch über alternative Modelle des räumlichen Lesens statt, die den Tastsinn, Bewegung und sinnliche Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen.

Die von den Teilnehmenden mit großem Interesse verfolgte Veranstaltung endete nach den praktischen Übungen und den abschließenden Auswertungs- und Diskussionsrunden.